Handbuch Ghostwriting

Nie wieder Lebenshilfe! Ratgeberfrei in 7 Tagen

ISBN 3-8334-3401-5

„Und irgendwann stehen Sie dann in Tiflis, mit Ihrem Birkenbihl-Georgisch.“ – Ob Sport, Rauchen, Essen und Trinken oder esoterische Hilfestellung – nichts bleibt außen vor. Falls dieses Buch nicht wirkt, wirkt gar nichts mehr. Der Autor knöpft sich mit viel Ironie und einem Schuß Zynismus die Bereiche Esoterik, Diätwahn, Sportfanatismus, Intelligenz-Training, Bewußtseinserweiterung sowie das Streben nach Macht und Erotik vor. Herausgekommen ist ein Rundumschlag gegen selbsternannte Motivationstrainer jeder Art.

Das Buch ist die ideale Lektüre für alle, die Opfer von Lebenshilfebüchern wurden. In nur sieben Tagen wird der Leser von allen Ratgebern befreit, die ihm einreden wollen, er bräuchte Hilfe.

 

Nie wieder Lebenshilfe - Ratgeberfrei in 7 Tagen

 

Aus dem Inhalt

Was Ratgeber für uns tun / Wie dieses Buch wirkt / Das 7-Tage Programm für alles, was Sie sich jemals gewünscht haben. Und mehr / Esoterik: Die Seele des Waldes / Essen und Trinken: Schlank und fit mit der Sahnetörtchen-Diät / Sport: Jetzt ruiniere ich mich selbst / Intelligenz: Brain-Fördering / Bewußtsein: Die astrale Universalkraft Ihrer Persönlichkeit / Reichtum und Einfluß: Die Ursprünge Ihres Imperiums / Sex: Es kann Spaß machen! / Ratgeber: Wie man Ratgeber schreibt / Die ehernen Regeln / Schlußwort und Geständnis / Das kleine Gehirn-Nordic-Walking: Haben Sie's verstanden?

 

 

Der Verlag über das Buch

Die Zahl der Lebenshilfe bietenden Ratgeber steigt täglich, kein Lebensbereich wird ausgeklammert. Und so locken die Verlage Leser mit verheißungsvollen Titeln, von "Denke nach und werde reich" bis hin "Du bist geboren zum Sieg". Kein Problem, zu dem nicht schon ein Ratgeber vorliegt und schnelle Hilfe verspricht. All diese Versprechen der Lebenshilfe-Literatur nimmt Reinhold Glück in seinem vorliegenden Anti-Ratgeber aufs Korn und enttarnt darin die ewiggleichen Zutaten, derer sich die Autoren bedienen. Dies tut er auf stets amüsante Weise und seine pointierten Beispiele stellen die Versprechungen der Lebenshilfe-Literatur nur allzu oft bloß. Eine Abrechnung also, die es aber nicht dabei belässt, sondern nebenbei auch die Realitäten des Lebens auf angenehm erfrischende Art ins rechte Licht setzen kann.
 

 

Auszüge

„Mancher ertrinkt lieber, als daß er um Hilfe ruft.“
Wilhelm Busch (1832-1908)

Wir leben in keiner perfekten Welt. Wir leben in einer Welt, in der sich Bücher mit dem Titel „Wahre Kraft kommt von Innen“ und „Sag doch einfach ‚Hallo’“ verkaufen. Hallo übrigens.

Die Welt, in der wir leben, ist vom Bedürfnis nach Hilfe geprägt. Diese Hilfe kostet Geld. Aber Geld ist nicht das Problem, wenn man Manager ist und sich nach einer 100-stündigen Arbeitswoche fragt, worin eigentlich der Sinn des Lebens besteht. Geld ist das Problem, wenn man bereit wäre, eine 100-stündige Arbeitswoche auf sich zu nehmen, um sich dies und das leisten zu können. Auch dafür gibt es Bücher. Bücher wie „Erschaffe Dich neu“, „Du kannst es!“ oder „Selbstliebe“.

Mit Verwunderung wird der geneigte Leser den Titel „Nie wieder Lebenshilfe“ vernommen haben, hat er sich doch vermutlich von zahlreichen Ratgebern in die Irre führen lassen und steht nun vor den qualmenden Trümmern seines Lebens. Recht geschieht es ihm.(...)

Wenn einer lieber ertrinkt, als um Hilfe zu Rufen, ist das seine persönliche – und, wie ich finde, charakterstarke – Entscheidung. Falls er doch um Hilfe ruft, so ist dies eine – wie ich finde – kluge Entscheidung, denn: was der Ertrinkende auf keinen Fall tun sollte, ist klar: ans Ufer schwimmen, in einen Laden gehen und sich ein Buch wie „schwimmen leicht gemacht“, oder „Nie wieder Ertrinken!“ kaufen. Dann schon lieber mit Würde untergehen. (...)


Positiv Denken!

 

 

Schlank durch Jesus und Elvis

Jesus war nie übergewichtig. Zumindest nicht der Jesus im Film. Es wäre ihm auch werbepsychologisch nicht bekommen, in diesem Zustand gegen die Völler, Schlemmer und Prasser dieser Welt zu wettern. Nein, Jesus war schlank und rank, zäh wie Jedenfalls war er schlank. Deswegen muß er ernährungstechnisch einiges richtig gemacht haben. 40 Tage in der brütenden Hitze der Wüste zum Beispiel. Da purzeln die Kilos nur so.

In Florida hat der Mediziner Don Colbert die Heilkraft des Messias nun endlich konsequent auf die Ernährungsberatung angewandt. Herausgekommen ist ein Buch mit dem Titel “The what would Jesus eat Cookbook”. Essen wie Jesus. Wie Jesus essen würde. Wenn er da wäre, im Amerika des 21. Jahrhunderts. Nun, vermutlich würde ihm angesichts der Fastfoodketten der Appetit vergehen. Glücklicherweise ist er gerade abwesend. Sonst hätte er der Scharlatanerie schon längst ein Ende gesetzt, und dafür gesorgt, daß Don Colbert sein eigenes Buch essen würde. Ungesalzen.

Essen und Trinken wie Jesus hat seine Vorteile. Angenommen, Sie kommen auf eine Party und der Alkohol ist knapp. Ein Griff in die große Trickkiste und Sie haben Speis und Trank für Tausende. Darüber hinaus sind Sie dank dieser kleinen Vorführung der Held des Abends. Essen wie Jesus bedeutet: Brot, Wein, Fisch, Oliven. Denkbar auch: Oliven, Fisch, Wein, Brot. Oder Alternativ Olivenfisch mit Brotwein. Ab und an schlachten wir dann ein Lämmchen. Wichtig ist nur, daß die Ernährung einseitig genug ist. So daß der Körper ja nicht auf die Idee kommt, es gebe öfters mal Abwechslung. Jesus ist der Star so vieler Bücher und Filme. Er hilft bei allen Problemen – also warum nicht auch bei Übergewicht? Es steht zu befürchten, daß die Marktlücke, in die das Jesus-Kochbuch gestoßen ist, weiter gefüllt wird.

Wenn aber Jesus schon dermaßen als Titelfigur zieht – wie wäre es dann erst mit Elvis? Abnehmen mit Elvis – dem nimmt man wenigstens Gewichtsprobleme eher ab. Das schafft Glaubwürdigkeit. In der Tat hat der King abgenommen. Er ist heute auf den meisten in Umlauf befindlichen Bildern wieder viel schlanker als während seiner letzten öffentlichen Auftritte. Würde er heute aus seinem Exil zurückkehren (falls Sie noch an die Todesgeschichte glauben, dann haben Sie die Kraft des positiven Denkens noch nicht kennengelernt!), so wäre er ein paar Jahre gealtert, hätte ergraute Schläfen. Er würde weiterhin seinen Glitzeranzug tragen. Aber er wäre schlank. Er wäre schlank, so wie die gesamte Generation von Männern, die mit 25 so aussahen wie Elvis mit 25. Männer, die mit 40 so aussahen wie Elvis mit 40.

Also, lehnen wir uns zurück, und warten auf das Erscheinen des nächsten, historisch und politisch korrekten Ernährungsratgebers. Wie wäre es mit der „Tom-Cruise-Samurai-Diät“ oder „Essen wie Godzilla“?

Das Buch bei Amazon.

 

 
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