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Roma: Der erste Tod des Mark Aurel

Rezension des Historienkrimis von Gisbert Haefs: Der Roman "Roma" zeigt auf überzeugende Weise die Gesellschaft und die Lebensgewohnheiten zur Zeit Mark Aurels.


„Roma“ schildert die Erlebnisse einer im Jahr 165 n. Chr. durch die Lande ziehenden, bunten Schauspieltruppe, die sich gelegentlich auch an den Werken der alten Meister versucht und nach und nach Zeuge einer groß angelegten Verschwörung wird. Die Hauptcharaktere des Romans sind Korinna, eine Schauspielerin, die sich bei den „Mimen des Mopsos“, so benannt nach ihrem Anführer, verdingt, und Pacuvius, ein Angehöriger des kaiserlichen Geheimdienstes, der bald erkennen muss, dass er vor einer schier unlösbaren Aufgabe steht – es soll dem Kaiser dienen, indem er die Gerüchte um die Verschwörung prüft. Seine Nachforschungen bringen ihn in Kontakt mit unterschiedlichsten Charakteren, die im Hafenviertel ihren Geschäften, ihrem Vergnügen und teils auch düsteren Machenschaften nachgehen. Bald ist er in ein unübersichtliches Gestrüpp aus Ereignissen, Gerüchten, Wahrheiten und Lügen verstrickt, in dem der gewaltsame Tod eines Fischhändlers eine große Rolle zu spielen scheint. Korinna willigt ein, Pacuvius bei dessen Ermittlungen zu helfen. Als Schauspielerin ist sie unverdächtig und kann gezielt scheinbar belanglose Fragen stellen. Nach und nach wird das ganze Ausmaß der Verschwörung offenbar.

 

Die Zeit Mark Aurels

Dem Genre nach ein Krimi im historischen Gewand, überzeugt „Roma" nicht nur durch das geschichtliche, sondern auch durch das sprachliche und künstlerische Hintergrundwissen, das vermittelt wird – griechische und lateinische Begriffe werden teils erläutert, die Kapitel stilecht mit Zitaten des Philosophenkaisers eingeleitet, zugleich erfolgt ein Einblick in das Leben mehrerer gesellschaftlicher Schichten: Traditionen, Weltanschauungen und Gewohnheiten werden gekonnt dargestellt und sind immer nahe am Leben: die Schilderung der Speisen, im Umfeld des Hafenviertels natürlich hauptsächlich Fisch und eine leckere Fischtunke, macht Appetit.

 

Hinter den Kulissen

Es gelingt Haefs, ein plastisches Bild der Antike zu zeichnen, das die gesamte Breite menschlicher Gefühle zeigt – von feingeistigen, witzigen und gut durchdachten Dialogen bis hin zu den Abgründen, die das Leben, Hoffen und Sterben der damaligen Zeit bot. Dabei ist es gerade die Verbindung von kaiserlicher und prätorianischer Politik mit dem Leben der kleinen Schauspieler, Fischhändler, Sklaven und Soldaten, die dem Leser immer wieder deutlich macht, dass sich hinter den Kulissen durchaus mehr tut als zunächst geahnt: der Krieg gegen die Parther, die Geheimpolitik des Reichs, die Überreste alter, barbarischer Religionen und die Intrigen und Lügen der Mächtigen. Dennoch ist es durchaus eine der Stärken des Romans, dass er sich, trotz seines Namens, nicht – wie etwa die Alexanderromane oder „Hannibal“, hauptsächlich in der Umgebung der historischen Figuren bewegt, sondern das Augenmerk hauptsächlich auf das Leben und den täglichen Überlebenskampf der Armen richtet. Historische Ereignisse bilden hierbei jedoch einen – allerdings glaubwürdigen – Hintergrund.

 

 
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