Handbuch Ghostwriting

Im Jenseits ist die Hölle los

Rezension des Romans von Arto Paasilinna: Der Roman mit dem leider nicht sehr originellen deutschen Titel „Im Jenseits ist die Hölle" los" liefert eine sympathische Perspektive auf das menschliche Leben

Es beginnt mit dem vermeintlichen Ende: „Mein Tod kam für mich völlig überraschend“, so der erste Satz des Romans. Der plötzliche, aus einer Unachtsamkeit heraus geschehene Unfalltod eines dreißigjährigen Journalisten ist Ausgangspunkt einer unterhaltsamen und verblüffenden Reise durch das Jenseits – ein Jenseits, das bei genauerem Hinsehen viel mehr mit dem Diesseits zu tun hat, als mancher ahnt. So erblickt der tote Protagonist altbekannte Gesichter aus seiner Heimat Finnland, aber auch aus anderen Ländern und verschiedenen Zeiten der Weltgeschichte.

 

Plötzlicher Tod

Er unterhält sich mit den Verstorbenen, liest die Gedanken und beobachtet das seltsame Verhalten der Noch-Lebenden, die oft nicht erkennen, wie wertvoll ihre verbleibende Zeit ist, und die nicht ahnen, was nach dem Tod auf sie zukommen wird.

Denn nach der Vorstellung des Romans ist das Jenseits ein Ort wie jeder andere – die Welt ist von Toten bevölkert, die unbemerkt die Lebenden beobachten, an ihrem Schicksal teilhaben, philosophieren und hin und wieder in die Träume eingreifen. Auch Gefühle wie Liebe und Missgunst sind den Toten nicht fremd. Paasilinnas Reise durch die Welt der Verstorbenen ist durchaus verständlich aufgebaut. So interessiert sich der Protagonist zunächst für das Verhalten seiner Witwe, für die eigenen Beerdigung, später kommen philosophische Überlegungen und die Hilfestellung für jene hinzu, die gerade erst den Übergang vom Leben zum Tod bewerkstelligen mussten – für viele ein schwerer Schock und Anlass zu spontanen Selbstvorwürfen, nicht mehr aus dem Leben gemacht zu haben.

 

Nettes Jenseits

Das Jenseits, das der Autor schildert, ist bunt, lebhaft, letztendlich auch angenehm und beruhigend: Die Geister sind frei von gesellschaftlichem Druck, können ihre Existenz an ihren Lieblingsorten verbringen und leisten sich auch den einen oder anderen Schabernack mit den Lebenden. Keine menschliche Verhaltensweise bleibt ihnen verborgen, und was den Lebenden als wichtig erscheinen mag, ist aus dieser Sicht belanglos, teils auch belustigend.

Der Roman ist auf eine sehr positive und leichte, aber dennoch rührende Art geschrieben, wenn auch naturgemäß Seitenhiebe nicht ausbleiben, etwa auf die großen Kirchen und ihre Vorschriften für ein religiös-moralisches Leben. Ein Lebensentwurf, der, aus Paasilinnas Jenseitsvorstellung heraus betrachtet, jedoch mehr dazu beiträgt, Menschen im Diesseits zu kontrollieren als sie zu erlösen. Dementsprechend müssen sich auch die schon verstorbenen religiösen Führer vor ihren ehemaligen Anhängern rechtfertigen. Verhasste Politiker trauen sich in der Geisterwelt dagegen kaum noch an die Öffentlichkeit, während Jesus, der gegen Ende des Buches auftaucht, hier und da einen Vortrag vor einem interessierten Publikum hält.

Das Buch erscheint vielfach wie eine literarische Umsetzung von John Lennons Zeile „Imagine There’s No Heaven“. Das finnische Original erschien 1980 unter dem Titel „Herranen aika“.

 

Im Jenseits ist die Hölle los
 
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