Handbuch Ghostwriting

Perspektiven und Markt

Auszug "Handbuch Ghostwriting - Marktumfeld und Arbeitstechniken": 

Ghostwriting ist eine Dienstleistung, welche die Erstellung wie auch immer gearteter Texte zum Inhalt hat. Der Kunde bezahlt, je nach Art des Auftrags, pro Seite, pro Zeichen oder – gegen Nachweis – für jede vom Schreiber aufgewandte Stunde. Auch Kopierkosten, Porto, Spesen und andere Auslagen sind mitunter in der Rechnung enthalten. Es gibt keine echten Standards für Honorare, da es keine Standards für die Tätigkeit gibt.

 

Keine Ghostwritergilde wird Sie wegen des Unterbietens eines Mindestpreises zu Rechenschaft ziehen, kein Kunde ist gezwungen, Ihre Dienste in Anspruch zu nehmen. Der Markt bietet so viele Möglichkeiten wie Texte geschrieben werden. Die Flut dieser Materialien gibt dabei Aufschluß über die Grenzen des Berufs: Sie existieren quasi nicht. Es gibt kaum einen Sänger, kaum einen Politiker oder Schauspieler, der nicht früher oder später meint, seine Erlebnisse und Gedanken der Öffentlichkeit zugänglich machen zu müssen. Mittel zu diesem Zweck ist der im Hintergrund agierende Ghostwriter.

Heute wird über alles geschrieben. Offener, detaillierter und in der Sache (wenn auch nicht immer in den Schlußfolgerungen) präziser als in der Vergangenheit. Neue Techniken im Buchdruck, etwa das System des „Print On Demand“ führen dazu, daß veröffentlicht wird wie nie zuvor. Die Flut der Buchpublikationen konkurriert dabei auch indirekt mit dem Internetangebot, zumindest mit dem Teil, der dem Benutzer nachweisbare und zitierfähige Informationen – kostenlos oder gegen Bezahlung – zur Verfügung stellt.

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Am 8. Februar 2007 zählte Google ca. 82.000 Webseiten aus Deutschland auf, in denen der Begriff Ghostwriting auftauchte. Drei Monate später waren es ungefähr 112.000.

Ein Auftraggeber, der sich bisher noch nicht zu diesem Thema informiert hat, dürfte angesichts dieser Flut von Angeboten, sei es nun durch Einzelpersonen oder durch Agenturen, zunächst verunsichert sein. In der heutigen Gesellschaft scheint das Angebot derartiger Dienstleistungen überhand zu nehmen. Wo also beginnen, wenn man eine Projektidee von einem Geist umsetzen lassen möchte, der zudem noch preisgünstig und vertrauenswürdig sein soll? Ghostwriting ist der Natur nach eine zumeist im Verborgenen stattfindende Tätigkeit. Mitunter bewegen sich Auftraggeber und Geist in einer rechtlichen Grauzone oder überschreiten gar die Grenzen der Legalität. Wie in jeder Branche existieren auch hier schwarze Schafe: Schreiber, die bedenkenlos anbieten, Magister-, Diplom- oder Doktorarbeiten zu übernehmen, aber auch Kunden, die meinen, die Dienste des Geistes nicht bezahlen zu müssen, weil mitunter kein Vertrag existiert.

Kunden und Ghostwriter müssen sich also bewußt sein, daß beide Seiten ein Risiko eingehen, insbesondere dann, wenn sie sich nicht vertraglich absichern.

Niemand kann garantieren, daß ein Anbieter hält, was seine Internetseite verspricht oder daß die „Zitate von zufriedenen Kunden“ auch tatsächlich Zitate von Kunden sind – und nicht etwa vom Betreiber der Seite.

Niemand kann darüber hinaus garantieren, daß eine in Auftrag gegebene Arbeit auch tatsächlich geschrieben und geliefert wird. Und niemand außer einem vertrauenswürdigen Vermittler oder Kunden kann garantieren, daß der Ghostwriter nach Beendigung seiner Dienste bezahlt wird.

Eine etablierte Agentur bietet ein höheres Maß an Sicherheit, da sie als Vermittler dient: Sie sorgt – gelegentlich auch mit Druck – dafür, daß der Text geliefert und der Geist bezahlt wird. So kann sie schwarze Schafe auf beiden Seiten im Vorfeld aussortieren. Sie sorgt zudem für erhöhte Diskretion: Kunden und Schreiber haben keinen persönlichen Kontakt untereinander. Allerdings lassen sich die Agenturen ihre Dienste oft üppig bezahlen. So existieren Provisionen, die höher liegen als der Arbeitslohn des Ghostwriters. Dies läßt die zweite Möglichkeit, die direkte Ansprache eines Ghostwriters, interessanter erscheinen. Doch der Aufwand, eine geeignete Person zu finden, ist in diesem Fall höher.

Meiner Erfahrung nach existieren mindestens 3 Typen von Vermittlungsagenturen:

- Etablierte Agenturen in den höheren Preislagen: Diese weisen eine größere Angebotsbreite auf, da sie über eine Vielzahl von freien Mitarbeitern verfügen. Die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Geist zu finden, ist daher hoch – ebenso wie die fälligen Honorare.

- Allrounder im mittleren Preissegment: Diese Agenturen bemühen sich, die etablierten anzugreifen und preislich zu unterbieten. Die Qualität kann nicht immer als zufriedenstellend bezeichnet werden, da öfter auch fachfremde Gelegenheitsschreiber tätig sind.

- Anbieter auf Schülerniveau: Wer die mittleren Preise noch zu unterbieten sucht, kann dies in der Regel nur tun, indem er Schüler oder Studenten zu einem äußerst schlechten Stunden- oder Seitenlohn engagiert. Zieht man vom Honorar noch die Provision für die Agentur ab, bleibt für den Geist kaum noch etwas übrig. Dementsprechend wird sich dieser auch bemühen, seinen Einsatz auf das Minimum zu beschränken, um möglichst schnell möglichst viele Seiten zu produzieren.

Keine dieser Anbietergruppen ist pauschal gut oder schlecht. Diese Urteile kommen erst im Zusammenhang mit dem Niveau des Auftrags zustande: Es kann durchaus sein, daß ein Kunde mit den Leistungen einer extrem billigen Agentur vollauf zufrieden ist. Es kann auch sein, daß eine Agentur, die eine hohe Provision nimmt, den Ansprüchen des Kunden nicht gerecht wird. Dennoch dürften diese Fälle eher die Ausnahmen darstellen.

Ghostwriting ist eine äußerst komplexe Tätigkeit, in der zahlreiche Fallstricke existieren. Sowohl für den Schreiber als auch für den Kunden.

Wichtig ist, daß Sie sich als Kunde nicht allein von der Suche nach dem niedrigsten Preis leiten lassen sollten. Rechnen Sie ruhig einmal den ungefähren Stundenlohn durch. Es dürfte klar sein, daß zu Seitenpreisen von etwa 10 Euro keine tatsächlich wissenschaftliche Tätigkeit möglich ist, da der Autor vermutlich die meiste Zeit damit beschäftigt sein dürfte, im Wald nach Brennholz zu suchen.

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Einige der in Kapitel 9 beantworteten Fragen

- Warum Ghostwriting, wenn ich selbst veröffentlichen will?

- Ist akademisches Ghostwriting überhaupt legal?

- Kann man vom Ghostwriting leben?

- Haben selbständige Ghostwriter einen Anspruch auf eine Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse (KSK)?

- Was tun bei Schreibblockade?

- Wie werde ich möglichst schnell Doktor?

- Ich habe ein Buchprojekt im Sinn. Soll ich einen Ghostwriter beschäftigen?

- Wie verhindere ich, daß meine Studenten Plagiate erstellen?

- Woran erkenne ich eine von einem Ghostwriter verfaßte Arbeit?

- Welches sind die Karrieremöglichkeiten eines Ghostwriters?

- Gibt es bekannte Ghostwriter?

 

 
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