Handbuch Ghostwriting

Der Ghostwriter

eine subjektive Filmkritik

 

Studenten, die überlegen, ob sie ihr Geld nicht als Ghostwriter verdienen sollen, dürften sich nach dem karrierebedingten Kinobesuch von Roman Polanskis „Der Ghostwriter“ viele Fragen stellen: Wird man versuchen, mich zu töten? Werde ich eine Viertelmillion für einen Buchauftrag bekommen? Wozu brauche ich einen Literaturagenten? Und vor allem: Wie komme ich an die Frau des Premiers?

 

Zunächst einmal: Der Film ist sehr gut. Er nimmt sich genügend Zeit für den Aufbau der Handlung, wobei trotzdem keine Langeweile entsteht, sondern Spannung erzeugt wird – auf eine sehr geschickte Art.

 

Zum Inhalt:

Der britische Ex-Premierminister Adam Lang (Pierce Brosnan) will seine Memoiren verfassen und heuert aus diesem Grund einen Ghostwriter (Ewan McGregor) an, der das Buch für ihn schreiben soll. Schon bald erkennt der – im Film namenlose – Geist, daß der Auftrag möglicherweise Gefahren birgt. Vor allem die Entscheidung des Premiers, die USA im Krieg gegen den Irak und zu unterstützen und dabei auch nicht vor Foltermethoden  zurückzuschrecken, wirft viele Fragen auf. Auf der Suche nach Antworten stößt der Geist auf unbequeme Fakten, die ihn an seinem Auftraggeber zweifeln lassen. Der Ex-Premier, der sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten soll, zeigt bald sein wahres Gesicht. Auch in seinem Umfeld,  einem gut organisierten Hofstaat, ist vieles anders, als es zunächst scheint.

 

Ein Schmankerl für Filmfreunde dürfte der Gastauftritt von Eli Wallach sein ("Tuco" aus "The good, the Bad and the Ugly", einem in Deutschland unter dem Titel „Zwei glorreiche Halunken“ bekannten Western) Die Romanvorlage lieferte Robert Harris mit "Ghost".

 

Der Reiz des Films besteht vor allem darin, daß sich die Beziehungen der Charaktere nicht sofort erkennen lassen, sondern erst nach und nach erforscht werden: Der Ghostwriter, und mit ihm der Zuschauer, bekommen erst im Laufe der Zeit mit, wie es im Umfeld des Ex-Premiers zugeht. Dabei gibt es gute wie böse Überraschungen.

 

Noch nie fand ich den Hinweis in einem Kinoabspann, wonach Ähnlichkeiten mit realen Menschen nicht beabsichtigt bzw. nur dem Zufall geschuldet seien, so unglaubwürdig: Adam Lang ist unschwer als Tony Blair zu erkennen, Mo Asumang in ihrer nur wenigen Sekunden andauernden Szene als Condoleezza Rice ist zumindest einen Lacher wert. 

 

Aus eigener Erfahrung:

Es gibt seltsame Kunden, ja. Kunden, die sich überschätzen, Kunden, die Wunder erwarten und Kunden, die nicht wissen, was sie wollen. Schwierige Kunden und einfache Kunden. Kunden jedoch, die während des Gesprächs ein Handy zerschmettern, sind mir zum Glück noch nicht begegnet.

Zurück zu den Studenten, die überlegen, ob sie ihr Geld nicht als Ghostwriter verdienen sollen: Auf die Gefahr, daß es desillusionierend ist: So einfach wie im Film dürfte ist es nicht sein, in kurzer Zeit viel Geld zu machen. Aber dafür man wird in der Regel auch nicht gejagt und bedroht.

 

Regie und Drehbuch: Roman Polanski

Produktionsjahr: 2009

128 Minuten

 

Links

Der Film in der IMDB

 

 

 
Handbuch Ghostwriting Template by Ahadesign Powered by Joomla!