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Stichwort Ostalgie

Die Ost-Nostalgie lebt – teils verspielt, teils auch politisch: Viele Webseiten widmen sich dem Andenken an das Leben und Erwachsenwerden im Arbeiter- und Bauernstaat. Es herrscht ein reger Handel mit DDR-Symbolen und Markenartikeln.

Wer sich heute im Internet mit dem 1990 untergegangenen Arbeiter- und Bauernstaat beschäftigt, wird feststellen, dass dieser – virtuell gesehen – quicklebendig ist. Was zu Zeiten des Kalten Krieges Alltag war, ist heute fester Bestandteil der Pop-Kultur und des so genannten "Lifestyle" der Generation, die die Deutsche Demokratische Republik größtenteils nicht bewusst miterlebt hat.

Verklärung der DDR?

Die DDR bemühte sich, wie andere Staaten auch, ihre Bürger ideologisch zu prägen – dies gelang in unterschiedlich starkem Maße. Während Einige ihr Leben riskierten, um dem Staat und seiner gefürchteten Staatssicherheit zu entkommen, lernte die überwiegende Mehrheit, sich auf die eine oder andere Weise mit den Lebensbedingungen zu arrangieren. Ob glühender Anhänger des Sozialismus oder politisch Verdächtiger mit Westbekanntschaft – was die Menschen einte, waren diejenigen alltäglichen Dinge, die heute zu den Aushängeschildern der Ostalgie gehören: Die Wartezeit auf den Trabant oder Wartburg, die Spreewalder Gewürzgurken, die original Gutena Filinchen und mitunter auch eine gewisse Nähe zum "Ostrock".

So mutierte das Ost-Ampelmännchen, das im Gegensatz zu vielen anderen DDR-Symbolen, Produkten und Erfindungen die Wende überlebte, zum modischen, in einigen Fällen auch politischen Zeichen. Ob Bluse mit FDJ-Aufdruck, Feuerzeug mit Staatswappen der DDR, ob NVA-Uniform oder „Auferstanden aus Ruinen“ als Handy-Klingelton – die Zeichen der Ostalgie sind weit verbreitet. Dabei lässt sich selten auf den ersten Blick erkennen, ob es sich um eine Modeerscheinung, um Gedankenlosigkeit, um Spaß oder um eine politische Aussage handelt.

 

Ostalgie als Wirtschaftsfaktor

Viele Webseiten und Händler widmen sich explizit der Erinnerung an die DDR und verkaufen „Ostprodukte“ – vom damals erhältlichen Brausepulver über T-Shirts mit dem Aufdruck „Held der Arbeit“ bis hin zum Trabi und seinen Ersatzteilen. Die Musik von DDR-Bands wie den Puhdys, City, Silly, den Prinzen und Karat erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Die Generation, die ihre Jugenderinnerung mit der DDR-Zeit verbindet, schwelgt zuweilen in der musikalischen Ost-Nostalgie.

Ganz andere Assoziationen und Emotionen dürften dagegen Stasi-Embleme wecken - für Menschen, die unter der ständigen Überwachung gelitten haben, dürfte es schwer verständlich sein, dass dieses Symbol nun zum meist sinnfreien Bestandteil der Jugendkultur geworden sind. Auch eine Fahrt mit den alten Sowjetpanzern BMP oder T55, wie sie inzwischen als Abenteuer für Erwachsene angeboten wird, könnte auf mangelndes Verständnis stoßen.

Ostalgie und Politik

Da Ostalgie für einige Menschen ein Lebensgefühl bedeutet, bemühen sich auch die Parteien in unterschiedlich starkem Maße, hieraus politisches Kapital zu schlagen. In der günstigsten Position hierzu ist die aus der SED-Nachfolgepartei PDS und der WASG entstandene „Linke", die versucht, diejenigen Wähler anzusprechen, die die DDR weniger mit Unterdrückung, Schießbefehl und politischer Bevormundung verbinden, als vielmehr mit dem so genannten "Recht auf Arbeit". Dieser politische Teil der Ostalgie birgt die Gefahr einer bewussten Verdrängung der negativen Seiten des SED-Staates sowie einer gezielten Fehlinterpretation und politischen Instrumentalisierung der DDR.

Ob Spaßgesellschaft, Verkaufsschlager oder Kapitalismuskritik – DDR-Erinnerungen sind und bleiben Bestandteil auch des "Neuen Deutschland".
 
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