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Der Irakkrieg und der Umgang mit Nachrichten: Kosovo, Irak und Afghanistan: unabhängige und zuverlässige Informationen sind selten, da aus Nachrichten längst Waren geworden sind.
Bei Kriegen, so eine banale, aber treffende Aussage, sei die Wahrheit das erste Opfer. Das Problem, dass verläßliche Informationen zu Konflikten schwer zu bekommen sind, ist so alt wie der Krieg selbst und tritt insbesondere bei aktuellen Auseinandersetzungen verschärft auf. Die Motivation dahinter ist verständlich, geht es doch um nichts weniger als den Ausgang des Konfliktes und um das Leben von Soldaten und Zivilisten.
Dass Medien keine Informationen veröffentlichen wollen, die die Sicherheit der eigenen Truppen gefährden, erscheint verständlich. Genau dies macht eine an Tatsachen orientierte Berichterstattung kompliziert. Denn prinzipiell kann fast jede Nachricht aus einem Kriegs- oder Krisengebiet zu einer Waffe werden, die einer der beiden Seiten nutzt. Sowohl westliche Militärs als auch deren Kontrahenten, seien es Aufständische im Irak oder in Afghanistan, haben die Dynamik der Medien erkannt und bemühen sich, Einfluss auszuüben. Darüber hinaus existieren kommerzielle Erwägungen: Wem es nicht gelingt, die Themen der Zeit ansprechend darzustellen, der verliert an Auflagenhöhe, Einschaltquoten oder Nutzerzahlen. Medien entscheiden Kriege Während des Vietnamkrieges zeigte sich die massive Medienwirkung, die mit zur Beendigung des Konfliktes beitrug, ebenso in Somalia 1993. Anders als im Zweiten Weltkrieg, wo die entsprechend ausgewählten bzw. zensierten Bilder zumeist einmal wöchentlich in einer Zusammenfassung zu sehen waren, trafen Nachrichten aus Vietnam mit nur wenig Verzögerung ein, während des Kuwaitkrieges übertrug CNN-Reporter Peter Arnett dann tatsächlich „live“-Bilder aus dem bombardierten Bagdad.
Dabei wurden die wirklichen Auswirkungen des Krieges, nämlich die Verwundung und Tötung von Menschen, zumeist ausgeklammert. Dieser Umstand führte etwa dazu, dass über die tatsächlichen Verluste der irakischen Armee während der Kriege 1990/91 und 2003 nur Spekulationen möglich, aber keine verlässlichen Zahlen verfügbar sind. Der Grund: Die Handlungslogiken der beiden Kriegsparteien befanden sich paradoxerweise im Einklang miteinander: Während die irakische Armee ihre Verluste verschwieg, war auch die US-Armee bestrebt, das Bild eines verhältnismäßig sauberen Krieges zu liefern. So wurden eigene Erfolge stets nur mit der Zerstörung von Militäreinrichtungen oder Waffensystemen verbunden, nicht aber mit der Tötung von Menschen. Medien im Irakkrieg ab 2003Insbesondere in den USA verfügen die Militärs inzwischen über eine lange Erfahrung beim Umgang mit Medien und sind in der Lage, deren Streben nach packenden, aber gleichzeitig unblutigen Bildern für sich zu nutzen. Ziel ist es, eine Medienwirkung wie während des Vietnamkrieges zu verhindern. Daher wurde im Irakkrieg ab 2003 bestimmten Journalisten erlaubt, mit den Truppen vorzurücken – als „embedded journalists“, also eingebundene Berichterstatter. Der beabsichtigte Haupteffekt lag in der Möglichkeit, nun umfassende Zensur ausüben zu können, während zahlreiche Journalisten, die sich im Irak frei bewegten oder aus Perspektive der Aufständischen berichteten, durch US-Truppen getötet wurden. Ein weiterer Effekt der „embedded journalists“ war es, dass die Reporter, die dieselben Ängste und Entbehrungen erleben mussten wie die Soldaten selbst, sich mit diesen solidarisierten und schließlich mehr Verständnis für die – aus Sicht der Militärs notwendige Zensur – zeigten.
Problematisch beim Umgang der Medien mit dem Thema Krieg und Konflikt ist vor allem, dass die Aktualität und die punktuelle Präzision der Berichterstattung beim Zuschauer, Zuhörer oder Leser den Eindruck erweckt, das Thema umfassend abzudeckend. Genau dies ist jedoch falsch. Denn Medienunternehmen sind kommerzielle Akteure, die der gleichen Logik folgen wie Firmen in anderen Bereichen auch. Nachrichten werden dementsprechend nach ihrem Sensations- beziehungsweise Marktwert platziert. Für Interpretationen des Geschehens bleibt meist wenig Raum. Für den Medienkonsumenten bedeutet dies, dass er sich entweder bequem auf die Mainstream-Medien verlässt, oder sich weitere, vielleicht nicht einfach zu findende Quellen erschließt. Bei alternativen Medienseiten bestehen zwar ebenfalls alle oben aufgezeigten Gefahren, mitunter finden sich Gerüchte, Werbung und Manipulationsversuche, aber möglicherweise auch Informationen, die das Bild zumindest ergänzen können – vollständig wird es niemals sein. So bleiben bei jeder gemeldeten Nachricht ein gewisses Misstrauen, das Bemühen um eine Interpretation sowie die Frage „wem nützt es?“ |