Handbuch Ghostwriting

Intolerance

„Intolerance" ist ein Film aus dem Jahr 1916, der in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich ist. Auch mehr als 90 Jahre nach seinem Erscheinen fällt eine Einordnung schwer.


Der Film mit dem vollen Titel „Intolerance: Love’s Struggle Throughout the Ages“ ist im wahrsten Sinne des Wortes monumental. Nicht nur die Produktionskosten, die Kulissen und die Anzahl der beteiligten Statisten gingen weit über das damals übliche Maß hinaus, sondern auch der Anspruch: Es handelt sich um nichts weniger als den Versuch, eine Universalgeschichte von Hass, Liebe, Heimtücke und Kampf auf die Kinoleinwand zu bringen. Die 163 Minuten Laufzeit verlangen dem Betrachter, insbesondere demjenigen, der die schnellen Bildfolgen von Musikvideos des heutigen Fernsehens gewohnt ist, viel Geduld ab. Diese wird jedoch mit faszinierenden Bildern und interessanten Einsichten belohnt.

 

Vier Geschichten

Der Film schildert vier Geschichten, deren Verlauf in mehreren Episoden gezeigt wird. Der Bezug der Episoden untereinander besteht nicht in der Handlung, sondern in der Thematik des Kampfes zwischen Liebe und Intoleranz.

Die erste Episode schildert den Angriff von Perserkönig Kyros II. auf Babylon sowie die vorausgehenden Intrigen am babylonischen Hof.

Die zweite Episode, angesiedelt in der Zeit Jesu, zeigt die intoleranten Pharisäer, die den Messias schließlich ans Kreuz bringen.

Die dritte Episode schildert die Vorgänge, die im Jahr 1572 zur berüchtigten Bartholomäusnacht, dem Massaker an den Hugenotten in Paris, führten. Auch hier tritt die Intoleranz als Ursprung der Gewalt auf.

 

Tugendwahn als Auslöser von Unheil

Die vierte und in der Zeit der Erscheinung des Films, also um 1916, angesiedelte Episode zeigt schließlich die Verarmung einer Fabrikbelegschaft. Diese ist ironischerweise dem Umstand zu verdanken ist, dass der Fabrikbesitzer Geld für „wohltätige Zwecke“ und den Kampf gegen die Untugenden wie Trinken und Tanzen benötigt. Eine streng puritanische Wohlfahrtsorganisation hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, die Menschen zu einer moralischen Lebensweise zu bringen, die sich in Wahrheit aber gegen jede Form der Freude richtet.

Ungewöhnlich am Film sind die für die damalige Zeit sehr freizügige Darstellung von Lust und Gewalt und die Tatsache dass das Gesicht Jesu gezeigt wird (während dies in den biblischen Monumentalfilmen der 50er Jahre meist umgangen wird).

 

Kein Publikumserfolg

David Wark Griffith, der bereits seit 1908 als Regisseur tätig war, produzierte den Film und führte auch Regie. Es stellte sich jedoch heraus, dass „Intolerance“ beim Publikum nicht den gewünschten Erfolg hatte. Offenbar konnte sich das Publikum nicht mit der für die damalige Zeit ungewöhnlich komplexen Erzählstruktur anfreunden, zudem widersprach der Zeitgeist des ersten Weltkrieges, der ein Jahr später auch die USA erfassen sollte, der pazifistischen Grundhaltung des Films. Heute gilt der Film vielen Kritikern als Meisterwerk – nicht nur wegen seines epischen Umfangs, sondern auch wegen seiner Machart – kameratechnisch wechselten sich die unterschiedlichen Stile ebenso ab wie erzählerisch. Ein kurioser und auch heute noch sehenswerter Film ist „Intolerance“ allemal.

 
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