| Wikipedia und die Wissenschaft |
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Die Zuverlässigkeit des Lexikons schwankt stark: Wikipedia bietet zahlreiche Chancen, aber auch Risiken, die dem Leser oft nicht bewußt sind. Als wissenschaftliche Ressource sollte die Seite nicht genutzt werden. Der GrundgedankeDas freie Internetlexikon Wikipedia hat es innerhalb weniger Jahre geschafft, unter die zehn meistbesuchten Seiten Deutschlands und der USA zu kommen. Dabei stellt Wikipedia jedoch eine grundsätzliche Abkehr von früheren Versuchen dar, eine Enzyklopädie zu schaffen: Während die klassischen Lexika wie Brockhaus, Meyer oder die Encyclopedia Britannica darauf basieren, eine möglich hoch spezialisierte Autorenschaft zu vereinigen und den Inhalt äußerst gründlich zu prüfen, bietet Wikipedia prinzipiell jedem die Möglichkeit einer Mitarbeit – vom Gelegenheitsschreiber und den am Thema interessierten Hobbyautoren bis hin zu hoch qualifizierten Fachautoren. Die InhalteEine Kontrolle des Inhaltes findet zunächst durch die anderen Autoren selbst statt – kommt es zu Fehlern, zu unbewussten oder gezielten Falschdarstellungen, so haben andere Schreiber die Gelegenheit, dies zu korrigieren. Auch existieren Artikel bezogene Diskussionsseiten, die eine Abstimmung ermöglichen sollen. In der Praxis kann das Verfahren jedoch, gerade bei politisch brisanten Inhalten, in eine regelrechte Korrekturschlacht ausarten: Änderungen werden von einem Autor verworfen, vom Urheber wieder hergestellt, erneut verworfen usw. Um diesem Problem zu begegnen, können einzelne Artikel von Wikipedia-Mitarbeitern gesperrt werden, nachdem der Inhalt nochmals geprüft wurde. Auch die Schließung von Benutzerkonten, mit denen mutwillig Artikel zerstört oder verzerrt werden, ist, möglich. Wikipedia und die WissenschaftenBei einer wissenschaftlichen Tätigkeit ist beim Umgang mit dem freien Lexikon jedoch Vorsicht geboten. Zwar eignet es sich in einigen Fällen gut, um sich einen Überblick über ein Thema oder einen Themenkomplex zu verschaffen, andererseits schwankt die Qualität von Beitrag zu Beitrag stark – je nach Interesse, Qualifikation und Engagement des Autors. In einem Beitrag für das Journal of American History beschreibt der US-Historiker Roy Rosenzweig die Beziehung von Geschichtsforschung und Open Source. Er stellt dabei fest, dass Wikipedia, im Gegensatz zu den Befürchtungen seiner Kritiker, prinzipiell erstaunlich gut funktioniere. Als Ressource für verlässliche geschichtliche Informationen weise das Portal jedoch schwere Mängel auf. Dies betreffe zum einen inhaltliche Fehler, zum anderen einen mangelhaften Zusammenhang der Informationen. Hinzu käme eine mitunter problematische Gewichtung der Themen, je nach Interesse der Autoren. Anekdoten und Einzelheiten, die spannende Geschichten ausmachten, seien mitunter weiter verbreitet, als langweilig erscheinende, politisch aber bedeutungsvolle Fakten. Mitunter seien etwa Figuren aus Tolkiens Romanen oder aus Star Trek ausführlicher charakterisiert als historisch einflussreiche Personen. Bei der stichprobenartigen Prüfung auf sachliche Fehler konnte Wikipedia allerdings durchaus mit konventionellen Nachschlagewerken konkurrieren, ebenso bei der inhaltlichen Vielfalt. Die ObjektivitätWikipedia will laut Eigendarstellung nicht mehr sein als eine Enzyklopädie, die lediglich bestehendes Wissen beschreibt. Dies bedeutet, dass zum einen Werbung und Meinungsäußerungen in den Artikeln unterbleiben sollten, zum anderen, dass kein Raum für Forschungskontroversen oder theoretische Auseinandersetzungen besteht. Das Erreichen von Zielen wie Vorurteilsfreiheit ist jedoch, wie in der gesamten Literatur, sehr schwierig. Viel zu oft dürften Werbeaktionen und gezielte Manipulationen, teils durch Formulierungen, teils durch die Schaffung falscher Zusammenhänge, teils aber auch durch schlichte Auslassungen, noch unentdeckt bleiben. Als Orientierungshilfe oder zum Einstieg in ein Thema ist die Wikipedia allerdings bestens geeignet. Der Artikel Wikipedia und die Wissenschaft in Wissenschaftsgemeinde unterliegt dem Urheberrecht. Jegliche Verwendung dieses Textes, auch auszugsweise, erfordert die vorherige schriftliche Erlaubnis des Autors. |