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Bei Online-Abstimmungen wird gemogelt wie nie zuvor: Ihre Stimme zählt! Sogar doppelt und dreifach.
Das inflationäre Auftreten von Internetabstimmungen hat Prinzip, scheint es doch für alle Beteiligten von Vorteil zu sein: - Webseiten versprechen sich eine aktive Teilnahme und eine baldige Rückkehr ihrer Besucher. Darüber hinaus lassen sich mit den richtigen Fragen auch die Präferenzen der Nutzer erkennen. Diese Informationen fließen später in die Gestaltung der Seite ein. Enthält die Abstimmung mehrere Fragen, so besteht zudem die Möglichkeit, diese über möglichst viele Internetseiten zu verteilen, so dass sich die Dauer des Besuchs erhöht und der Nutzer mehrmals mit entsprechender Werbung konfrontiert werden kann. Als Belohnung für den treuen Nutzer winkt dann häufig nicht mehr als die Einsicht in den aktuellen Stand der Abstimmung. - Als Marketinginstrument ist das Internetvoting nicht mehr wegzudenken: Durch den Wettbewerbscharakter erhält die Abstimmung den Anstrich eines Kampfes, für den es dann die entsprechenden Kräfte zu mobilisieren gilt. Fällt dieser Kampf dann noch mit lokalem oder nationalem Patriotismus zusammen, ist die Anerkennung durch die örtlichen Medien sicher. Bezeichnenderweise fallen die medienwirksamsten Abstimmungen in die Kategorie „Welche Region macht das Rennen?“: etwa die Wahl der „sieben neuen Weltwunder“ sowie die der Mononopy-Städte. Der Medienrummel, einmal entfacht, pflanzt sich durch die aktive Mund-Propaganda fort. - Für die Benutzer, die meinen, es komme auf ihre Stimme an, ist die Abstimmung zumindest tröstlich, für Personen oder Gruppen, die sich zur Wahl stellen, spannend und eventuell prestigeträchtig.
Die RepräsentativitätDass bei Internetabstimmungen nicht von Repräsentativität ausgegangen werden kann, sollte klar sein. So wird noch nicht einmal Repräsentativität für die eigentliche Stammkundschaft der Webseite erzielt, wenn die Abstimmung Besucher anlockt, die einmal und nie wieder auftauchen, nämlich zur Stimmabgabe.
Technisch sieht die Abstimmung so aus, dass die Seiteninhaber zwar versuchen können, größere Manipulationen zu vermeiden, faktisch aber wenig ausrichten werden: Gezählt werden Zugriffe von IP-Adressen – wobei bekanntermaßen schon das Zurücksetzen des Routers, der Neustart des Rechners oder die kurzzeitige Trennung der Internetverbindung zu einer neuen Adresse führt. Der Versuch, Manipulationen mittels Cookies zu vermeiden, die dem Seitenbetreiber Aufschluss über das Nutzerverhalten geben sollen, sind ebenfalls unwirksam, da diese kleinen Dateien jederzeit gelöscht werden können. Mitunter verkommt auch eine beabsichtigte politische Meinungsäußerung zum Gegenteil – man stelle sich etwa ein kleines, linksalternatives Onlinemagazin vor, das seine Besucher nach der Meinung zur Außenpolitik Präsident Bushs befragt. Die Ergebnisse könnten spannend werden, sollte ein begeisterter Bush-Anhänger zufällig auf die Abstimmung aufmerksam werden und per Rundmail inklusive Link zur Abstimmung alle seine Freunde auffordern, ihre Stimme abzugeben. Gegen Klickbetrug
Wie aber sieht die Strategie der Seitenbetreiber gegen Klickbetrug bei Onlineabstimmungen aus? Die Frage scheint berechtigt, ist aber irreführend. In der Regel wird kein Seitenbetreiber ernsthaft dagegen vorgehen, dass die Besucherzahlen plötzlich massiv anschwellen. Vor allem dann nicht, wenn an jedem zusätzlichen Klick Werbeeinnahmen hängen. Prinzipiell kann der Seitenbetreiber nur versuchen, etwa durch eine Pflicht zur Registrierung bei Abstimmungen, das Ausmaß der Betrügereien zu mindern. Er kann darüber hinaus erklären, er sei gegen Manipulationen und werde diese nicht dulden. Dennoch dürfte, etwa bei Abstimmungen zu „Castings“, kaum zu erwarten sein, dass alle Teilnehmer disqualifiziert werden. Denn keiner kann es sich leisten, auf die eine oder andere gefälschte Zusatzstimme zu verzichten. Vor allem dann nicht, wenn die Konkurrenz ebenfalls mogelt. So sagen die Ergebnisse prinzipiell nur aus, dass der Verlierer der Abstimmung entweder ehrlich war, oder eben nicht in der Lage, im gleichen Ausmaß zu manipulieren wie der Gewinner. Die Werbewirtschaft gewinnt allemal.
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