| Das Zeitalter der Extreme |
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Geschichte kompakt - Rezension des Buches von Eric Hobsbawm: Wenige Bücher können für sich in Anspruch nehmen, das 20. Jahrhundert eingehend zu charakterisieren und zu analysieren. Das „Zeitalter der Extreme" kann es. Der 1917 geborene, britische Historiker Eric Hobsbawm legte 1994 sein Buch „The Age of Extremes. The Short Twentieth Century 1914–1991“ vor, das später in viele weitere Sprachen übersetzt wurde. Wie aus dem Titel hervorgeht, handelt es sich um eine geschichtliche Darstellung des „kurzen“ 20. Jahrhunderts, das, aus der Perspektive Hobsbawms betrachtet, mit dem ersten Weltkrieg begann und mit dem Zerfall der Sowjetunion endete. Weltgeschichte eines JahrhundertsDie Vorgänge eines ganzen Jahrhunderts schildern zu wollen, noch dazu in weltgeschichtlichem Maßstab, ist ein gewaltiges Unterfangen. Eric Hobsbawm, geboren 1917 und somit Zeitzeuge, sieht sich als Chronist des gesamten, von Ideologien und Gewalt geprägten 20. Jahrhunderts. Hobsbawm, der als Kommunist politisch aktiv war, zeichnet ein teils düsteres Bild gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen, wobei Technologiegläubigkeit und die Zukunftseuphorie längst der Ernüchterung gewichen sind. Der Autor stützt sich auf eine immense Literaturbasis und eine Fülle von Daten und Statistiken, die in die Argumentation aufgenommen werden. Er betrachtete dabei nicht nur, sondern analysiert. Dabei behält er nicht nur die Entwicklungen der westlichen Staaten im Auge, sondern beschäftigt sich ebenfalls mit den Globalisierungsfolgen in allen Teilen der Welt. Auch kulturelle Strömungen und Entwicklungen werden aufgezeigt. Der schonungslose Umgang mit der Politik der beiden großen Gesellschaftssysteme erlaubt Hobsbawm dabei das Aufzeigen größerer Zusammenhänge, etwa zwischen Weltwirtschaftskrise und dem Aufstieg der totalitären Systeme in Europa und anderen Teilen der Welt. Der Blickwinkel des Autors bleibt trotz der Schilderung einer mitunter unübersichtlichen Anzahl von Details immer auf das große Ziel ausgerichtet, das bisher kein Staat, keine Religion und keine Ideologie zu erreichen vermochte: Die Schaffung eines weltweiten Mindestmaßes von Wohlstand und der Umsetzung einer allgemeingültigen Gerechtigkeitsvorstellung. Ideologische KonflikteEinige Passagen lesen sich dementsprechend skeptisch, teils auch desillusioniert. Das Buch, das in den Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion geschrieben wurde, zeigt deutlich, wie unangebracht damalige euphorische Vorstellungen vom „Ende der Geschichte“ und einer damit einhergehenden Demokratisierung waren. Es gelingt Hobsbawm in eindrucksvoller Weise, die Konfrontation von Kapitalismus und Sozialismus zu beschreiben und dabei die jeweiligen gegenseitigen Zerrbilder, Ängste und Hoffnungen zu zeigen, die mit dem weltweiten ideologischen Konflikt verbunden waren und es auch heute noch sind. Auf diese Weise werden auch die Heilsversprechungen der Ideologien scharf kritisiert – weder Staat noch Markt waren in der Lage, die drängenden Probleme der Zeit zu lösen. Die Aufgabe des Historikers sei es jedoch, zumindest darauf aufmerksam zu machen, welche Kräfte wirken: „Wir leben in einer Welt, die gekapert, umgewälzt und entwurzelt wurde vom gigantischen ökonomischen und technisch-wissenschaftlichen Prozess der Kapitalismusentwicklung, der die vergangenen zwei oder drei Jahrhunderte beherrscht hat.“ Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts |