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Alleine arbeiten: Kollege Ich

Rezension des Ratgebers von Gudrun Sonnenberg: "Kollege ich - Die Kunst allein zu arbeiten" deckt mit Wohlwollen und Humor die Tücken auf, die das Alleinarbeiten mit sich bringt.


Alleine zu arbeiten ist weiter verbreitet, als es gelegentlich den Anschein hat. Unter den Einzelkämpfern finden sich Studenten, die ihre Abschlussarbeiten verfassen, Ärzte, Künstler, Schriftsteller, Vertreter, Ladenbesitzer und viele weitere. In einigen dieser Berufe existiert so gut wie kein sozialer Kontakt, während in anderen zumindest der Umgang mit Menschen gepflegt wird. Dennoch wird solo gearbeitet – Kunden, Geschäftspartner oder Patienten sind schließlich keine Kollegen, mit denen man ein Büro teilt und sich über die Arbeit austauschen könnte. Auch gibt es für Soloarbeiter oft keinen unmittelbar anwesenden Vorgesetzten, der über die Arbeit urteilt und keinen Druck – außer dem selbst gemachten. Misserfolge müssen alleine verdaut werden, Erfolgserlebnisse können nicht im Team gefeiert werden. All dies stellt mitunter hohe Ansprüche an Psyche und Leistungsvermögen.

 

Fluch und Segen

Wer auf die eine oder andere Art alleine arbeitet, sei es aus eigenem Wunsch oder notgedrungen, der dürfte einige der im Buch beschriebenen Situationen kennen: Den gelegentlich auftretenden Motivationsproblemen und dem Mangel an Möglichkeiten, die eigene Arbeit mit Kollegen zu besprechen, stehen die freie Zeiteinteilung und die selbstverantwortliche Arbeitsweise gegenüber. Dies ist manchmal ein Segen, manchmal jedoch auch ein Fluch. Denn mit der freien Zeiteinteilung können sich unbemerkt Verhaltensweisen einschleichen, die alles andere als konstruktiv sind: Es wird ungewöhnlich oft im Internet gestöbert, aufgeräumt, geputzt oder eingekauft. Arbeitspausen dehnen sich von Tag zu Tag aus, die im Übermaß vorhandene Zeit wird einfach mit süßem Nichtstun oder vermeintlich wichtigeren Dingen vertrödelt – am Ende steht der Zeitdruck, der für einige Soloarbeiter offenbar die einzige zuverlässige Motivationsquelle ist.

Auch eine falsche Einschätzung des eigenen Arbeitsvermögens kann schnell zu einem Problem werden: Wer den Luxus hat, individuell Aufträge ablehnen oder annehmen zu können, mutet sich mitunter zu viel zu – mit der Folge, dass nicht mehr genügend Zeit für die Bearbeitung bleibt, Kunden unzufrieden werden und weitere Aufgaben wie Buchführung schlicht auf der Strecke bleiben. Von Außenstehenden unbemerkt können sich so Problemberge auftürmen, die das Arbeiten sehr unangenehm machen.

 

Viel Wissenswertes über Arbeitsmoral

„Kollege Ich“ ist ein unterhaltsames und informatives Buch, das ein weit verbreitetes, aber noch zu wenig ernst genommenes Thema aufgreift.

Durch die Personenbeispiele, die aus unterschiedlichsten Berufsbereichen stammen (vom Maler bis hin zur alleine arbeitenden Journalistin), ist die Argumentation immer plastisch und lebensnah. Es bleibt schließlich nicht bei der Beschreibung von Problemen. Vielmehr werden Lösungsstrategien gegen Vereinsamung und Arbeitsfrust gezeigt, auch bei Entscheidungsproblemen bietet das Buch Hilfe.

Die Stärke des Buches liegt besonders in der detaillierten und kenntnisreichen Schilderung der vielen Faktoren, die Arbeitsmoral und Arbeitsverhalten beeinflussen können. Berufliche Erlebnisse und individuelle Gefühlslagen stehen hier in einem engen Wechselverhältnis, das letztendlich über Erfolg oder Misserfolg des Alleinarbeitens entscheidet.

Entscheidungshilfen zum Thema „Weitermachen oder aufhören?“, ein Selbsttest, der die persönliche Fähigkeit zum Alleinarbeiten aufzeigt, sowie eine Literatur- und Weblinkliste runden das Buch ab.

 

Kollege Ich: Die Kunst, alleine zu arbeiten

www.kollege-ich.de - Blog für alle, die allein arbeiten

www.gudrun-sonnenberg.de

 
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