Handbuch Ghostwriting

Tiere und Manager

Betrachtet man den Büchermarkt zum Thema Management, so fällt auf, daß tier- und naturbezogene Titel derzeit eine Hochkonjunktur haben. Kaum ein Tier, das von der Flut von Publikationen verschont bleibt und nicht unfreiwillig von findigen Autoren und Unternehmensberatern zum Vorbild für sinnvolles Handeln erkoren wird.

 

Erfolgreich auf dem Buchmarkt mit der Lemming-Strategie?


Auf den ersten Blick könnte man vermuten, daß Manager, und solche, die es werden wollen, rationale Wesen sind, die sich so leicht nichts vormachen lassen und unter normalen Umständen wohl nicht auf die Idee kämen, ihr Verhalten von Vorbildern abzuleiten, die sich problemlos mit einem Stückchen Käse fangen lassen. Warum also die Konjunktur der Tierstrategien?

Strategie bezeichnet ursprünglich die Kunst der Kriegsführung, später wurde der Begriff auch in andere Bereiche, etwa den der Wirtschaft, übertragen. Klassiker der strategischen Literatur sind etwa die Werke von Clausewitz und Sun Tsu. Strategisches Handeln zeichnet sich somit durch eine geschickte Planung aus – also etwas, was man von einem instinktiv handelnden Wesen wie einem Tier keinesfalls erwarten kann. Worin also liegt der tiefere Sinn, wenn wir uns im Bereich der Strategie ausgerechnet Tiere zum Vorbild nehmen?

Tiere, insbesondere Säuger, weisen eine Reihe von markanten Ähnlichkeiten mit uns Menschen auf. Manche Tiere gelten als intelligent, in der Fabel etwa der Fuchs. Der scheint jedoch mittlerweile in der modernen Managementliteratur in Vergessenheit geraten zu sein – offenbar war er den selbsternannten Tierstrategen zu abgegriffen oder zu altmodisch – die Todsünde im modernen Managementvokabular schlechthin. Altmodisches ist retro, ist September 10th, ist out, ist nicht elegant und schon gar nicht sexy. Also meiden wir den Fuchs und wenden uns Tieren zu, die das zweifelhafte Glück haben, gerade im Trend zu liegen. Bei der Wahl neuer Titel wird es freilich schwierig, scheinen doch die medienwirksamsten Tiere schon vergeben zu sein.

So ist es kein Wunder, daß auch weniger geschätzte Tiere zum Einsatz kommen. Kakerlaken beispielsweise, die als Überlebenskünstler gelten. Diese Strategie brachte es auf den Punkt: Man muß als Covertierchen im Reich der Menschen nicht beliebt sein, man muß nur als effizient gelten.  

Was nun? Ruhig wie ein Bär oder fleißig wie eine Biene? Will man am Ende den Honig haben, empfiehlt sich hier eindeutig die Vorgehensweise des Bären: Abwarten, andere für sich arbeiten lassen und dann zuschlagen. Ein solches Verhalten ist zwar in der Wirtschaft nicht selten zu beobachten, strategisch ist es trotzdem nicht.

Wer ständig Betriebskosten analysiert und Effizienzsteigerungen plant, kommt kaum an die frische Luft und versäumt auch sonst einiges, was sich dort draußen abspielt. Anstatt aus dem Haus zu gehen, wird das Problem streng wissenschaftlich angegangen: Der heutige Manager holt sich seine Dosis Natur, fein säuberlich gebunden zwischen zwei Buchdeckeln. Diese Art Natur kann man auch bedenkenlos ins Regal stellen, da sie stubenrein ist. Im Gegensatz zu so manchem tierischen Vorzeigestrategen – ein Problem, das die meisten dieser Bücher vornehm ausklammern dürften.

 

 
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